31.05.2018 12:38

Weniger Feinstaub aus Kaminöfen und Co.

Von: ZIV (Presseinformation), Sankt Augustin, 9. Mai 2018

Nach Informationen des Umweltbundesamtes (UBA) haben sich die Feinstaubemissionen von Holzfeuerungen seit 2010 deutlich verringert. Strengere Grenzwerte und gesetzliche Auflagen für Holzfeuerstätten scheinen Erfolg zu haben. Industrie, Landwirtschaft und Straßenverkehr zählen nach wie vor zu den größten Feinstaubverursachern.

Im Vergleich zu den Verkehrsemissionen sind die Emissionen aus Holzfeuerungen insgesamt zurückgegangen. Im Jahr 2017 veröffentlichte das UBA ein aktualisiertes nationales Emissionsinventar mit Neuberechnungen der Gesamtemissionen aus Holzfeuerungen. Eine Neuberechnung war notwendig geworden, da sich der Anlagenbestand in den letzten Jahren und damit auch die Emissionen aus dieser Quellkategorie geändert haben. In der alten Statistik rechnete das UBA noch mit einem Emissionsfaktor aus dem Jahr 2005, auch für die Jahre bis 2015.
Im Zuge der Aktualisierung wurden die Bezugsgrößen angepasst und neue Emissionsfaktoren ermittelt. Im Vergleich zu anderen Feinstaubquellen verbesserte sich das Emissionsverhalten der Holzfeuerungen.
Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks führt dies auf eine Modernisierung des Anlagenbestands, den technischen Fortschritt und die Wirksamkeit der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV) zurück, die im Jahr 2010 novelliert wurde.

In absoluten Mengen haben sich die Emissionen von Holzfeuerungen von 2010 zu 2015 um 31,1 Prozent (PM2,5) und 30,7 Prozent (PM10) verringert. Auch der Anteil der Holzfeuerungen an den gesamten Feinstaubemissionen hat sich reduziert. Im Bereich der PM10-Emissionen nahm deren Anteil an den gesamten PM10-Emissionen von 11,9 Prozent im Jahr 2010 auf 8,7 Prozent im Jahr 2015 ab. Bei dem PM2,5-Emissionen sank der Anteil der Holzfeuerungen an den PM2,5-Gesamt-emissionen von 21,3 Prozent in 2010 auf 17,2 Prozent in 2015.

Weniger Emissionen durch Modernisierung des Ofenbestandes
Nach einem deutlichen Rückgang von 2010 bis 2014 stiegen die PM10-Emissionen bis 2016 leicht an. Eine Verringerung der Emissionen aus Holzfeuerungen ist zu erwarten, da 2017 und 2020 Austauschfristen im Bereich der Einzelraumfeuerungsanlagen abgelaufen sind bzw. ausstehen. Mit der novellierten 1. BImSchV wurden im Jahr 2010 erstmals Emissionsgrenzwerte für Kamin-, Kachelöfen und weitere Einzelraumfeuerungsanlagen festgelegt. Abhängig vom Baujahr mussten bzw. müssen sie schrittweise ersetzt, nachgerüstet oder stillgelegt werden, wenn die Einhaltung der Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid (CO) nicht nachgewiesen werden konnte bzw. kann. Die nächste Frist läuft im Jahr 2020 aus und betrifft Feuerstätten mit Baujahr 1985 bis 1994. 10 Prozent der Einzelraumfeuerungsanlagen hatten im Jahr 2017 ein solches Alter und könnten von einer Modernisierung betroffen sein.

Information und Beratung zum Heizen mit Holz
Faktoren wie die Brennstoffqualität und das Nutzerverhalten beeinflussen das Emissionsverhalten einer Feuerstätte. Vor allem Einzelraumfeuerstätten, die von Hand mit Brennstoff versorgt und bedient werden, können Schwankungen in der Verbrennungsqualität aufweisen. Kontinuierliche Aufklärung und Verbraucherinformation sind weiterhin notwendig, um Bedienungsfehler zu vermeiden. Auf Basis der 1. BImSchV beraten Schornsteinfeger ihre Kunden zum richtigen Umgang mit festen Brennstoffen und überprüfen bei der Feuerstättenschau, bei der Abnahme einer neuen Feuerstätte oder bei einem Betreiberwechsel den technischen Zustand der Feuerstätte, das Brennstofflager sowie die Brennstoffqualität mit einer Holzfeuchtemessung. Moderne Feuerungstechnik bietet Optimierungsmöglichkeiten: Eine automatisierte Regelung der Verbrennung und Brennstoffzufuhr erleichtert den emissionsarmen Betrieb einer Feuerstätte und wird mittlerweile bei zahlreichen Feuerstättentypen angeboten.

Strengere Grenzwerte für neue Feuerstätten
Für neue Feuerstätten sind die strengen Grenzwerte der 1. BImSchV bereits Standard. Nach dem 22. März 2010 installierte Einzelraumfeuerungsanlagen dürfen nur betrieben werden, wenn sie die Grenzwerte der Stufe 1 einhalten. Für seit 1. Januar 2015 installierte Anlagen gelten die strengeren Grenzwerte der Stufe 2. Die erlaubten Höchstmengen für Staub und CO richten sich u. a. nach der Feuerstättenart und unterscheiden zwischen Raumheizern, Kamin- und Kachelofeneinsätzen, Herden und Pelletöfen.

Regelmäßige Emissionsmessung an Holzzentralheizungen
Für Heizkessel für feste Brennstoffe wie Pellet-, Scheitholz- oder Hackschnitzelheizungen wurde außerdem eine wiederkehrende Messpflicht
im kleineren Leistungsbereich eingeführt. Seit 2010 kontrolliert der Schornsteinfeger im Abstand von zwei Jahren die Emissionen der Anlagen im Leistungsbereich ab 4 Kilowatt. Auch der Feuchtegehalt des Brennstoffs wird dabei gemessen. Die einzuhaltenden Höchstgrenzwerte und der Beginn der Messpflicht richten sich nach dem Baujahr der Anlage. 2016 und 2017 wurden insgesamt rund 470.000 Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe vom Schornsteinfeger überprüft. An über 90.000 dieser Anlagen wurden Mängel wie zu hohe Staub- und/oder CO-Werte festgestellt, die anschließend durch Fachhandwerker behoben wurden. Ggf. mussten die bemängelten Anlagen ausgetauscht oder stillgelegt werden.

Produzieren Kaminöfen mehr Feinstaub als der Straßenverkehr?
Diese Einschätzung hält sich hartnäckig. Aktuell vergleicht das UBA Auspuffemissionen (ca. 7,7 Tausend Tonnen PM10 im Jahr 2016) mit Emissionen aus kleinen Holzfeuerungen (fast 20 Tausend Tonnen PM10*). Außer Acht gelassen werden hierbei die nicht weniger schädlichen Emissionen des Straßenverkehrs wie Reifen-, Straßen- und Bremsabrieb. Mit den Abriebemissionen liegen die Emissionen des gesamten Verkehrs deutlich höher: bei über 29 Tausend Tonnen PM10 im Jahr 2016.


Misst der Schornsteinfeger Feinstaub?
Feinstaub besteht aus festen und flüssigen Partikeln und wird abhängig von der Partikelgröße in verschiedene Kategorien eingeteilt. Partikel der Größenordnung PM10
haben einen aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometern (µm), Partikel der Größe PM2,5 einen aerodynamischen Durchmesser von 2,5 µm. Feinstaub kann natürlichen Ursprungs sein (z. B. Pollen, Meersalz) oder vom Mensch verursacht werden. Zu den Hauptemittenten von Feinstaub in Deutschland zählen Industrie, Landwirtschaft, Straßenverkehr und private Haushalte. Messen lassen sich
Feinstaubemissionen mit verschiedenen Verfahren. Der Schornsteinfeger misst bei seinen Messungen nach 1. BImSchV die Staubkonzentration im Abgas einer Anlage. Diese Staubpartikel sind nicht gleichzusetzen mit Feinstaubpartikeln der Kategorie PM10 oder PM2,5

* Datenquelle UBA: nationales Emissionsinventar für Luftschadstoffe, Submission 2018