05.11.2012 10:40

"Rester"-Verbrennung - Ein Kavaliersdelikt?

Von: Thomas Kuntke

Es stellt leider überhaupt keine Seltenheit dar, dass die häuslichen Kleinfeuerungsanlagen oder die Gartenkamine von einigen Mitbürgern zur "Entsorgung" ihrer Altmaterialien missbraucht werden. Dies führt zu starken, schadstoffhaltigem Rauchgasaustritt und damit zu erheblichen Belästigungen der Nachbarschaft, aber vor allem auch zu giftigen Belastungen im eigenen Wohn- und Grundstücksbereich sowie in der Umgebung.

 

Nicht alles was brennt ist zum Verbrennen geeignet und zugelassen. Je nach Material gasen giftige Schwefel- und Blausäuredämpfe, Chlorverbindungen, Dibenzoldioxine und -furane oder Nervengifte wie Styrol und Vinylchlorid aus feinsten Ritzen und Fugen aus oder verteilen sich als Niederschlag über größere Flächen im Freien.

Wenn in den Nachrichten zu hören ist, dass - wie jüngst wieder geschehen - die Eier von freilaufenden Hühnern dioxinbelastet sind, sollte man sich die Nachbarschaft genauer ansehen. Was wird dort verbrannt? Stapeln sich dort die "beliebten" Europaletten (Europoolpalette) und warten auf  "thermische Behandlung"? Oder Abrisshölzer, Dielenbretter, Zaunlatten, verleimte Hölzer, Möbel und der gleichen? Oder Sperrholz, Spanplatten, Faserplatten sowie Kunststoffprodukte? Denn nach wie vor gilt:

Was heute durch den Schornstein geht - landet morgen im Garten!

Was hat es nun mit den Dioxinen auf sich?

Die toxische Wirkung von Dioxinen beruht auf ihrer Bindung an ein in Tieren und Menschen weit verbreitetes Zellprotein, den Arylhydrocarbonrezeptor (AhR). Das Dioxin bindet in der Zelle an diesen Rezeptor, der Enzym-Substrat-Komplex lagert sich an die DNA an und löst damit die verstärkte Bildung von fremdstoffabbauenden Enzymen, insbesondere von Cytochrom P450-Monooxygenasen aus. Die Stärke der Bindung und damit die Toxizität der Substanz hängt von dem jeweiligen Dioxin oder Furan (Anzahl und Stellung der Halogenatome) ab. Die Neigung zur Bindung an den Ah-Rezeptor ist bei den 2,3,7,8-substituierten Dioxinen und Furanen am höchsten.

Akute Toxizität: Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane sind sehr giftig, das 2,3,7,8-TCDD wird teilweise als "die giftigste vom Menschen hergestellte Verbindung" bezeichnet.

Dioxine entweichen aus Anlagen der Metallindustrie, aus Müllverbrennungsanlagen und privaten Feuerungsanlage(!) in die Luft. Die Emissionen haben in den letzten Jahren jedoch deutlich abgenommen. Dieser Erfolg ist vor allem auf die verbesserte Rauchgasreinigung in den Müllverbrennungsanlagen zurückzuführen. Die - illegale - Abfallverbrennung in häuslichen Feuerungsanlagen oder im Garten macht heute den bedeutendsten Anteil der Dioxinemissionen aus.


Die wilde Verbrennung von einem Kilogramm Abfall belastet die Umwelt so stark wie die Entsorgung von zehn Tonnen in einer modernen Müllverbrennungsanlage!

(Dies ist ein Verhältnis von 1 : 10.000!).


Wir leben in einer modernen Gesellschaft mit einer hervorragenden Infrastruktur! Jedermann kann dafür sorgen, dass Abfall dahin kommt wo er hingehört und somit professionell entsorgt werden kann.

Das Verbrennen von Althölzern jedweder Couleur usw. ist illegale Abfallentsorgung und gehört zu Recht an den Pranger gestellt!

Thomas Kuntke

 

Weitere Infos unter anderem hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Polychlorierte_Dibenzodioxine_und_Dibenzofurane