01.01.2016 12:15

1991-2016 - 25 Jahre Schornsteinfegerbetrieb Kuntke

Von: Thomas Kuntke

Ende des Jahres 1990 erhielt ich von der damals zuständigen Verwaltungsbehörde (Bezirk Dresden - Ressort Wirtschaft) die Bestellungsurkunde als 'Bezirks-Schornsteinfegermeister' für den Kehrbezirk 1211-06 Meißen. Eine große Herausforderung für einen Jungspund von gerade mal 24 Jahren.

Bestellungsurkunde vom 17.12.1990

Bestellungsurkunde vom 17.12.1990

Urkunde der HWK Dresden zum 25. Betriebsjubiläum

Urkunde der HWK Dresden zum 25. Betriebsjubiläum

Schreiben der Stadt Meißen, Oberbürgermeister

Brief der Stadt Meißen Oberbürgermeister


Nach nunmehr 25 Jahren darf man sicherlich mal ein kleines Resümee ziehen, denn sehr viel ist in den 25 Jahren passiert.

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Zum einen sind da die enormen gesellschaftlichen – politischen wie wirtschaftlichen – Umwälzungen der 1990er Jahre, welche den gesamten Osten der Republik – und so natürlich auch mich – betrafen und prägten. Der Strukturwandel gerade im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung und dabei insbesondere der Beheizung war enorm. Die alten Kohleöfen, welche mit Abstand die Heizquelle Nr. 1 waren, wurden in relativ kurzer Zeit durch Gas- und Öl-Heizungen ersetzt. Auch der Energieträger Stadtgas (auf Basis der Braunkohlenverkokung) hatte Mitte der 1990er Jahre ausgedient und wurde durch Erdgas ersetzt. Diesen gesamten Prozess galt es als Fachmann zu betreuen und zu überwachen. Das Schornsteinfegerhandwerk war – bedingt durch seine enorme und vorbildliche Organisationsdichte (100% Mitgliedschaft in der Innung) – dazu bereit und hervorragend gerüstet. Schulungen zu den neuen Techniken und Verfahren waren ein stetes Programm. Das Studium neuer Gesetze, Verordnungen und Normen – denn die gute alte TGL hatte ja ausgedient – waren an der Tagesordnung. Das Engagement  im Schornsteinfegerhandwerk war gewaltig. Nicht nur von den Ehrenamtsträgern und beruflichen Eliten, sondern von jedem einzelnen Kollegen, Geselle wie Meister / Betriebsinhaber. Diese Änderungen zogen sich auch in die Bereiche der Kehrbezirksstrukturen. Um ein gleichmäßiges hohes Niveau zu gewährleisten, mussten faktisch im Jahrestakt die Gebietsgrenzen angepasst werden. Dies war natürlich auch für unsere Kunden ein mitunter schwieriger Prozess. Schließlich war man an 'seinen' Schornsteinfeger gewöhnt und bekam plötzlichen einen neuen vor die Nase gesetzt. Das Handwerk, in hervorragender Zusammenarbeit  mit der verantwortlichen Verwaltungsebene  (von beiden Seiten stets sachlich und fair), versuchte stets diese Anpassungen so gering wie nur möglich zu gestalten. Bis auf wirklich wenige Ausnahmen gelang dies auch sehr gut. Auch in arbeitstechnischer Hinsicht war der Wandel im Beruf gewaltig. Vormals hauptsächlich als 'Rußentferner' und Brandschützer tätig, wandelt sich der Schornsteinfeger zu einem 'Techniker' und 'Kontrolleur'. Natürlich steht nach wie vor das Kehren von Schornstein & Co. ganz oben auf der Tätigkeitsliste, jedoch messen, überwachen und prüfen sind heuer ganz wesentliche Bestandteile unserer täglichen Arbeit. Das technische Equipment eines Schornsteinfegerbetriebes ist dadurch heute geprägt durch modernste Analyse- und Computertechnik. 

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Zum anderen waren da natürlich auch persönliche Ziele die es zu meistern galt. Allen voran – damals wie heute – natürlich die Familie. Als 'Neu-Meißener' war es selbstredend sehr wichtig hier heimisch zu werden. Dies gelang uns dank guter Freunde und vieler Bekannter sehr schnell und gut. Diese wunderschöne Stadt Meißen und deren Umland sind seit nunmehr 25 Jahren unsere Heimat / unser Zuhause im besten Sinn. Hier wohnen, leben und arbeiten wir. Hier fühlen wir uns wohl. Hier genießen wir Kunst, Wein –  ich ab und zu auch ein Pfeifchen  – und und und.

Jedoch auch 'intellektuell' galt es für mich Ziele zu erreichen. So hatte ich bereits relativ früh den Bereich Energieberatung für mich 'entdeckt'. Dies vor allem aus der Erkenntnis heraus, dass der rationelle und umweltschonende Umgang mit der 'Ressource'  Energie eine zentrale Rolle für Belange der Ökologie und nicht zuletzt auch für ökonomische Gesichtspunkte spielt. Meinen 'ersten' Abschluss als Energieberater (damals noch als 'Energieberater im Schornsteinfegerhandwerk') erzielte ich 1994. Im zeitigen Frühjahr des darauf folgenden Jahres dann die Prüfung vor der Handwerkskammer Münster mit dem staatlich anerkannten Abschluss als 'Energieberater im Handwerk' [seit 1998 'Gebäudeenergieberater (HWK)']. Im Jahr 2005 absolvierte ich zudem erfolgreich am EIPOS (ein An-Institut der TU Dresden) eine sehr anspruchsvolle und umfangreiche Weiterbildung mit Prüfung zum 'Sachverständigen für Energieeffizienz von Gebäuden (EIPOS)'. Mittlerweile ist der Bereich Energieberatung für meinen Betrieb ein sehr wichtiges Standbein geworden. 

Doch auch in meinem Hauptberuf als Schornsteinfeger galt und gilt es sich stetig fort- und weiterzubilden. Hierbei sind insbesondere die jährlichen Weiterbildungstage meines Berufsverbandes – der Schornsteinfeger-Innung Dresden bzw. des Landes-Innungsverbandes Sachsen – von hervorragender Bedeutung und die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Entwicklung. Sowohl als Meister / Betriebsinhaber wie auch für die Gesellen. Doch auch die Angebote des Bundesverbandes oder auch diverse Werks-Schulungen sind für mein kleines Team und für mich wichtige Bausteine um stets auf dem Laufenden zu sein.

Ein weiteres Aufgabengebiet für mich ist die Tätigkeit als Sachverständiger. Seit nunmehr über 15 Jahren bin ich als ein durch die HWK Dresden öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Schornsteinfegerhandwerk tätig. Vorrangig Gerichtsgutachten, jedoch auch private Gutachten und Stellungnahmen für Behörden oder auch Versicherungen, in den Fachgebieten 'Brandschutz und Brandursachen' (Feuerungsanlagen), 'Bauschäden' an Schornsteinen und anderen Abgasanlagen, 'Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik' und 'Immissionen' (Luftschadstoffe aus Feuerungsanlagen) werden dabei gefertigt.

Neben den Obliegenheiten die ich als Chef eines Schornsteinfegerbetriebes sowie Energieberatungs- und Sachverständigenbüros zu leisten habe, kommen noch Aufgaben hinzu, die sich aus meiner Tätigkeit als Dozent bzw. Fachlehrer im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Handwerksmeistern ergeben. Gerade diese Tätigkeit bereitet mir viel Freude und liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte sie nicht missen. Und dies durchaus auch aus Gründen des Eigennutzes, denn als Lehrer sollte man sich mit den Dingen die man lehrt ein bisschen auskennen und so bin ich quasi 'gezwungen' am Ball zu bleiben.

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Ich bin dankbar und auch ein wenig stolz auf die zurückliegenden 25 Jahre. Besonderer Dank gilt dabei natürlich meiner Frau. Sie ist Stütze, Ansporn, Muse, mein 'Dreh- und Angelpunkt' und Quell alles Erreichten.
Mit großer Neugier und guten Mutes blicke ich nun auf die nächsten (25?) Jahre.

 

Thomas Kuntke, me.

Meißen, im Januar 2016.